Nackenschmerzen Ursache: Warum Atmen wichtiger ist als dein Stuhl
- Jessica Baltensperger

- vor 2 Tagen
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 23 Stunden

Du hast den Monitor auf Augenhöhe, die Tastatur perfekt platziert und sitzt auf einem ergonomischen Wunderwerk von Bürostuhl. Und trotzdem: Nach ein paar Stunden am Laptop fühlen sich deine Schultern an, als hättest du den ganzen Tag schwere Lasten getragen. Das Ziehen im Nacken wird zum ständigen Begleiter.
Die meisten denken sofort: „Ich sitze einfach falsch.“
Doch was, wenn die Ursache gar nicht an deiner Haltung liegt? Was, wenn dein Körper dir durch den Schmerz etwas ganz anderes sagen will?
Die Falle der Hochatmung
Wenn wir uns konzentrieren, in Deadlines stecken oder unter Druck stehen, passiert etwas Unbewusstes: Unsere Atmung flacht ab. Wir nutzen nicht mehr den vollen Raum unserer Lungen, sondern atmen nur noch kurz und knapp in den oberen Brustkorb.
In der Fachwelt nennen wir das Hochatmung.
Das Problem dabei? Deine Schulter- und Nackenmuskulatur ist eigentlich nicht zum Atmen da. Bei der Hochatmung muss sie jedoch bei jedem einzelnen Atemzug mithelfen, den Brustkorb anzuheben. Das sind tausende kleine Bewegungen pro Tag. Kein Wunder, dass die Muskeln irgendwann „dichtmachen“ und verhärten.

Wenn Blockaden den Atem stoppen
Warum atmen wir überhaupt so flach? Oft stecken tieferliegende Atemblockaden dahinter. Durch Stress und das ständige „Funktionieren-Müssen“ im Alltag verlernt der Körper, wie sich ein freier, tiefer Atemfluss anfühlt. Es ist, als würde ein unsichtbares Band deinen Brustkorb einschnüren.
Solange diese Blockaden bestehen, hilft auch der beste Bürostuhl der Welt nichts. Du kannst deinen Nacken dehnen und massieren – doch solange der Atem nicht wieder frei bis in den Bauchraum sinken darf, kehrt die Spannung immer wieder zurück.
Den Kreislauf durchbrechen
Die gute Nachricht ist: Du kannst lernen, diese unbewussten Muster zu erkennen. Es geht nicht darum, sich zu einer „richtigen“ Atmung zu zwingen, sondern die Hindernisse zu lösen, die deinem natürlichen Atemfluss im Weg stehen.
Sobald der Atem wieder Raum bekommt, dürfen auch deine Schultern endlich loslassen. Du gewinnst an Leichtigkeit zurück und fühlst dich am Ende eines Arbeitstages nicht mehr wie "zusammengeschoben".
Dein Test

Wenn du tief einatmest: Gehen deine Schultern nach oben statt dein Bauch nach aussen?
Fühlt sich dein Brustkorb fest oder wie „eingemauert“ an, wenn du unter Stress stehst?
Hast du das Gefühl, oft die Luft anzuhalten, wenn du dich am PC konzentrierst?
Auswertung:
Wenn du mindestens zweimal „Ja“ gesagt hast, liegt die Ursache deiner Schmerzen höchstwahrscheinlich bei einer Atemblockade und nicht an deiner Sitzposition.
Wenn du merkst, dass es dir schwerfällt, tief „durchzuschnaufen“, ist das ein deutliches Zeichen für eine Blockade.
Deine erste Übung:
Um die unbewusste Hochatmung zu unterbrechen und deinen Schultern eine Pause zu gönnen, probiere diese kleine Anleitung zur funktionellen Atmung aus. Du kannst sie direkt an deinem Schreibtisch machen:
Die Erdung: Setze dich aufrecht hin, ohne dich anzulehnen. Spüre deine Sitzbeinhöcker auf dem Stuhl und stelle beide Füße flach auf den Boden. Lass deine Arme locker in deinem Schoß oder auf den Oberschenkeln ruhen.
Der Schulter-Check: Ziehe deine Schultern einmal bewusst hoch zu den Ohren, halte die Spannung kurz und lass sie dann mit einem Stoßseufzer ("Haaa") nach unten fallen. Spüre das Gewicht deiner Arme.
Die sanfte Hand: Lege eine Hand ganz locker auf deinen Unterbauch (kurz unter den Bauchnabel). Die andere Hand kannst du auf dein Brustbein legen.
Beobachten statt Erzwingen: Schließe, wenn du magst, kurz die Augen. Versuche nicht, "besonders tief" zu atmen. Beobachte nur, welche Hand sich beim Einatmen zuerst bewegt.
Der Fokus: Stell dir vor, dein Atem ist wie Wasser, das ganz sanft nach unten in dein Becken fließen möchte. Mit jedem Einatmen wird dein Bauch unter deiner Hand ganz weich und weit – ohne Druck. Die Hand auf deiner Brust bleibt dabei ganz ruhig.
Das Loslassen: Atme sanft durch die Nase ein und durch den leicht geöffneten Mund aus, als würdest du ganz sachte eine Kerze flackern lassen, ohne sie auszupusten.
Das Ziel: Schon 2 bis 3 Minuten dieser bewussten Wahrnehmung signalisieren deinem Körper, dass die "Gefahr" vorbei ist. Deine Nackenmuskulatur bemerkt, dass sie nicht mehr mithelfen muss, und darf endlich lockerlassen.
Warum das funktioniert:
Diese funktionelle Übung nutzt die Schwerkraft und deine Aufmerksamkeit, um den Atem weg von den Schultern hin zum Zwerchfell zu leiten. Es ist kein Training, sondern ein Erinnern deines Körpers an seinen natürlichen Zustand.

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